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    Arbeitszeitthemen vor Beginn der Tarifrunde 2016 gelöst - Tarifvertrag …

    Arbeitszeitthemen vor Beginn der Tarifrunde 2016 gelöst - Tarifvertrag Arbeitszeitkonten verteidigt

    Ursprung in der Tarifrunde 2014 – TV AZK verteidigt

    Im Jahr 2015 haben ver.di und STRABAG PFS Verhandlungen über eine Fortentwicklung des TV AZK aufgenommen und nach insgesamt acht Sondierungs- und Verhandlungsrunden am 8. Februar diesen Jahres zum Abschluss gebracht.

    Schon in den letzten Tarifrunden hat die Arbeitgeberseite immer wieder Arbeitszeitthemen in die Tarifverhandlungen eingebracht und die Tarifverhandlungen damit immens belastet.

    Tarifinfo STRABAG PFS - Arbeitszeitthemen ver.di FB 9 Tarifinfo

    Doch auch ver.di hat intern diskutiert, wie man mit dem Problem der ausufernden Arbeitszeitkonten, der Nichteinhaltung des Tarifvertrags und mangelndem Arbeitgeber-Bewusstsein für Arbeitszeit und nur rudimentär vorhandene Ressourcenplanung bei Sicherstellung der Arbeitszeitautonomie umgeht.

    Der Arbeitgeber STRABAG PFS verfolgte das Ziel, betriebseinheitliche Besetzungszeiten durchzusetzen, Überstunden und Zuschläge generell auszuzahlen und stellte neben der Freiwilligkeit in der Rufbereitschaft/Herbeiruf auch die Weiterführung des TV AZK in Frage.

    Für ver.di war es wichtig, die Arbeitszeitautonomie zu wahren und auf Basis des TV AZK die Wahlfreiheit zwischen Arbeitszeitabbau in Freizeit oder Auszahlung zu sichern. Darüber hinaus waren eine stärkere Verantwortung der Führungskräfte zur Einhaltung der Arbeitszeitregelungen und die Einführung eines Wertkontos erklärte Ziele.

    Änderungen in Manteltarifvertrag und Tarifvertrag Arbeitszeitkonten

    Im Rahmen der Verhandlungen konnte sich auf einen Änderungstarifvertrag geeinigt werden, der Änderungen im Manteltarifvertrag und im TV Arbeitszeitkonten vornimmt.

    Zusammenfassen lassen sich die Änderungen in folgenden Punkten:

    • Tarifvertragliche Öffnung des Instruments Mehrarbeit in reduziertem Umfang und unter Beteiligung der Betriebsräte
    • Möglichkeiten zur Auszahlung von Zuschlägen und Mehrarbeit bei Aufrechterhalten der Wahlfreiheit
    • Erweiterte Einsichtsrecht der Führungskräfte in die Arbeitszeitkonten gehen mit stärkerer Verantwortung zum aktiven Führen einher
    • Einführung eines Sonderkontos, das im Jahr 2016 zu einem Wertkonto weiterentwickelt wird
    • Regelungen zum Nulldurchlauf im Oktober 2016 und Begrenzung des Aufbaus (für Rotkonten)

    Auszahlungsoption eröffnet, Wahlfreiheit geschaffen, Beschäftigte müssen Antrag stellen

    Bisher mussten alle Zeiten auch die aus Mehrarbeit im Arbeitszeitkonto erfasst werden und in Zeit gebucht werden. Gleiches galt für alle weiteren Zuschläge aus dem Manteltarifvertrag mit Ausnahme von Störungseinsätzen. Zukünftig wird für alle Zeiten aus Störungseinsätzen und Mehrarbeit inklusive der daraus resultierenden Zuschläge eine Wahlfreiheit eröffnet. Grundsätzlich werden diese Zeiten in Entgelt ausgezahlt. Auf Antrag des Arbeitnehmers können diese Zeiten allerdings weiter in Zeit geführt und auf einem Sonderkonto (neben dem Arbeitszeitkonto) gebucht werden. Eine Rückbuchung aus dem Sonderkonto in das Arbeitszeitkonto kann jeweils im darauffolgenden Monat erfolgen. Die erste Entscheidung muss bis 15. April 2016 erfolgen und kann danach pro Quartal geändert werden.

    Weiterhin wird das Instrument „Mehrarbeit“ zukünftig ermöglicht. In begrenztem Umfang (10 Stunden/Woche, 20 Stunden/Monat) kann Mehrarbeit beim Betriebsrat beantragt werden und wird für die Beschäftigten mit 25% bzw. 50% Zuschlag vergütet.

    Arbeitgeber und Führungskräfte stärker in die Verantwortung genommen
    Nulldurchlauf kommt im Oktober

    Ver.di hat in den Verhandlungen deutlich gemacht, dass auch den Führungskräften eine besondere Verantwortung zukommt, die Arbeitszeiten der Beschäftigten im Blick zu behalten. Der TV AZK sieht zusätzliche Regelungen vor, dass Führungskräfte dafür verantwortlich sind, dass ab der gelben Ampelphase Maßnahmen zum Abbau zu erarbeiten sind.

    Aus diesem Grund werden Führungskräfte verpflichtet, einmal pro Monat die Stände der Arbeitszeitkonten der ihr unterstellten MitarbeiterInnen einzusehen und diese Einsicht auch zu dokumentieren. Ausschließlich zu diesem Zweck werden die Einsichtsrechte für Führungskräfte in die Arbeitszeitkonten ermöglicht.

    Bis September 2016 sollen alle Arbeitszeitkonten die Nulllinie durchlaufen. Für alle Fälle, in denen der Abbau nicht möglich ist, erfolgt im Oktober 2016 ein verbindlicher Nulldurchlauf. Die betroffenen Beschäftigten erhalten im Oktober die Wahl, die im AZK befindlichen Stunden ausbezahlt oder in das Sonderkonto überführt zu bekommen. Im Falle der Auszahlung wird für jede 12 Stunden eine zusätzliche Stunde ausbezahlt.

    Entscheiden sich Beschäftigte gegen eine Auszahlung, so wird das Stundenkontingent auf das Sonderkonto überführt und soll später einem Wertkonto zugeführt werden. Sollte sich der Beschäftigte (nach dem die Bedingungen des Wertkontos bekannt sind) gegen eine Überführung in das Wertkonto entscheiden, so erhält er eine zweite Möglichkeit zur Auszahlung zu denselben Bedingungen.

    Nach dem gesteuerten Nulldurchlauf darf es kein Überschreiten der im TV AZK festgelegten Grenze (114 Stunden) mehr geben. Arbeitszeit, die in Ausnahmefällen darüber hinaus geleistet werden soll, ist vom Arbeitgeber beim Betriebsrat zu beantragen und entsprechend den Mehrarbeitsregelungen mit 25% bzw. 50% Zuschlag zu versehen. Auch diese erbrachten Stunden können entweder ausbezahlt oder ins Sonderkonto überführt werden.

    Sonderkonto für den Übergangszeitraum Wertkonto wird bis Ende 2016 verhandelt

    Ver.di konnte eine Verhandlungszusage erreichen, nach der sich STRABAG PFS bereit erklärt hat, bis spätestens September 2016 Verhandlungen über einen Tarifvertrag (Zeit-)Wertkonten aufzunehmen, die bis 31.12.2016 abgeschlossen sein müssen.

    Beschäftigte haben bereits jetzt die Möglichkeit, Zeiten für dieses Langzeitkonto zu parken und dem Wertkonto zu einem späteren Zeitpunkt zuzuführen.

    Fazit: Arbeitszeitautonomie verteidigt,
    Auszahloption geschaffen, Wertkonto auf den Weg gebracht, Belastungsschutz im Blick behalten

    Mit dem Ergebnis der Verhandlungen hat ver.di die Vorstöße der Arbeitgeberseite, die Arbeitszeitautonomie der Beschäftigten einzugrenzen und die Freiwilligkeit bei Rufbereitschaft/Herbeiruf abzuschaffen, zurückgewiesen und eine zukunftssichere Regelung bei STRABAG PFS geschaffen.

    Mit den geschaffenen Optionen besteht künftig für viele Beschäftigte eine Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen. Darüber hinaus hat ver.di die Wahlmöglichkeit der Beschäftigten gesichert und ermöglicht, dass auch in Zukunft ein Ausgleich durch Freizeit erfolgen kann. Und dies sogar über die bestehenden Möglichkeiten hinaus. Mit Einführung eines (Zeit-) Wertkontos werden auch langfristige Planungen möglich und die Arbeitszeitautonomie der Beschäftigten noch weiter gestärkt.

    ver.di und die ver.di-Betriebsräte werden darüber hinaus die Belastungssituation der Beschäftigten stärker im Blick behalten und Maßnahmen zum Belastungsschutz initiieren.

    Die Tarifregelung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Geschäftsführung STRABAG PFS. Der ver.di Bundesfachgruppenvorstand Telekommunikation hat der Regelung am 29. Februar zugestimmt.