Tarifbewegungen

    Tarifpolitische Konferenz 2015

    Tarifpolitische Konferenz 2015

    Am 29. September trafen sich rund 200 ver.di-Vertrauensleute aus dem Landesfachbereich TK/IT/DV in Düsseldorf zu unserer diesjährigen Tarifpolitischen Konferenz.

    Conny Parisi-Bohmholdt Manfred Geneschen Tarifpolitische Konferenz 2015

    Nach der Eröffnung durch unsere Vorsitzende Conny Parisi-Bohmholt und einem kurzem Grußwort von Andre auf der Heiden, dem ehrenamtlichen Vorsitzenden des ver.di-Landesbezirks NRW, sind wir direkt in die Themen der Konferenz eingestiegen.

    Tarifbewegung 2016

    Anfang 2016 stehen in vielen Tarifbereichen unseres Fachbereichs wieder große Tarifrunden an.

    Michael Halberstadt, Leiter Bereich Tarifpolitik Manfred Geneschen Tarifpolitische Konferenz 2015

    Michael Halberstadt, Leiter des Bereichs Tarifpolitik Grundsatz beim Bundesfachbereich 9, gab in seinem Impulsreferat viele Informationen zur wirtschaftlichen Lage sowohl in der Branche als auch darüber Hinaus. Michael stellte die Empfehlung des ehrenamtlichen Bundesfachbereichsvorstandes zur Forderungsdiskussion im Telekom-Konzern vor.

    Der Bundesfachbereichsvorstand empfiehlt für die Forderungsfindung für die vielen Tarifrunden Anfang 2016 im Telekom-Konzern als gemeinsamen Forderungsrahmen:

    • 4,5% mehr Entgelt
    • Laufzeit 12 Monate
    • Überproportionale Anhebung der Vergütungen der Auszubildenden und dual Studierenden
    • Verlängerung des Ausschlusses betriebsbedingter Beendigungskündigungen

    Dieser Forderungsrahmen steht in den nächsten Wochen in vielen Mitgliederversammlungen zur Diskussion. Dabei gilt es immer sowohl die Frage zu diskutieren, was wir als Forderungen erheben wollen, als auch die Frage, wie wir die notwendige Durchsetzungskraft auf die Straße bringen.

    Was wir in einer Tarifauseinandersetzung gemeinsam für die Beschäftigten herausholen hängt nur sehr begrenzt davon ab, welch gute Argumente wir für unsere Forderungen anführen können. Entscheidend ist am Ende immer der betriebliche Druck, den die aktiven ver.di-Mitglieder in den Betrieben, notfalls mit Streiks, entwickeln.

    Tarifpolitische Konferenz 2015 Manfred Geneschen Tarifpolitische Konferenz 2015

    Der erste Austausch von Einschätzungen und Positionen im Anschluss an Michaels Vortrag machte u. A. sehr deutlich, welch hohes Gewicht für uns die Position hat, dort wo verbindliche tarifvertragliche Ausschlüsse von betriebsbedingten Beendigungskündigungen im Jahr 2016 auslaufen, entsprechende Nachfolgeregelungen durchzusetzen.

    Das Votum der vielen Mitgliederversammlungen wird im Landesfachbereich 9 NRW, durch seinen Tarifausschuss zusammengeführt werden und dann die Grundlage für die Positionierung unseres Landefachbereichs sein, die der Landesfachbereichsvorstand am 30. November vornimmt.

    Nachdem alle Landesfachbereiche dies getan haben, wird der Bundesfachbereichsvorstand in seiner Sitzung am 8. und 9. Dezember die spannende und verantwortungsvolle Aufgabe haben, unsere finale Forderungsbeschlussfassung zu tätigen.

     
    Parallel zum Prozess der Forderungsfindung laufen selbstverständlich alle notwendigen Vorbereitungen, um am Ende die Tarifverhandlungen, bei Bedarf, aus den Betrieben mit unterschiedlichsten Aktionen, bis hin zu Streiks, unterstützen zu können.
     

    Arbeitszeitverkürzung

    Dr. Reinhard Bispinck, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Manfred Geneschen Tarifpolitische Konferenz 2015

    Dr. Reinhard Bispinck, vom Wirtschafts- und Sozialwisschenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, hat uns mit einem guten Impulsreferat in das Thema eingeführt. Nach einem Blick auf die Daten der aktuellen Arbeitszeitsituation in den Betrieben und die Entwicklung der letzten Jahre ging es schnell über in das Themenfeld der Arbeitszeitverkürzung.

    Arbeitszeitverkürzung ist einerseits dringend geboten. Zum einen gibt es Produktivitätsschübe, die es förmlich aufdrängen, die Frage der Arbeitszeitverkürzung zur gerechteren Verteilung der Arbeit wieder auf die gesellschaftliche und tarifpolitische Tagesordnung zu setzen. Die Belastung in der Arbeit ist in vielen Betrieben so groß, dass längere Regenerienungsphasen wichtiger denn je sind. Viele unfreiwillig in Teilzeit Beschäftigte würde eine Verkürzung der „Normalarbeitszeit“ näher an die Vollzeitbeschäftigung bringen. Auch gesellschaftspolitische Fragen, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, oder auch freie Zeit für politisches und gesellschaftliches Engagement, sowie demografische Fragen sprechen für eine Verkürzung der Arbeitszeit.

    Tarifpolitische Konferenz 2015 Manfred Geneschen Tarifpolitische Konferenz 2015

    In den Betrieben gibt es in der Diskussion um die Arbeitszeitverkürzung eine Menge Aspekte, die eine Rolle spielen. Neben der Dauer der tarifvertraglichen „Normalarbeitszeit“ stehen z.B. Fragen der Arbeitszeitverteilung, der Flexibilisierung aus Beschäftigteninteressen aber auch arbeitgebergetriebener Flexibilisierung (Risikoverlagerung auf die Beschäftigten) im Raum. Welche Form der Arbeitszeitverkürzung und Arbeitszeitgestaltung würde welche Wirkungen entfalten?

    Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben haben unterschiedliche Einschätzungen und Erfahrungen zu Arbeitszeitthemen. Die arbeitszeitpolitischen Rückschritte, die wir bei der Ausgründung der Telekom-Service-Gesellschaften im Jahr 2007, mit der Erhöhung der regelmäßigen Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden, nicht verhindern konnten, stecken bei vielen noch tief.

    Da eine Arbeitszeitverkürzung nur gegen den erbitterten Widerstand der Arbeitgeber durchgesetzt werden könnte, bedarf es dazu eine großen Geschlossenheit und Kampfbereitschaft der Belegschaften zu diesem Thema.

    Auch die intensive Diskussion in der Konferenz verdeutlichte, dass wir uns dem Thema Arbeitszeitverkürzung stellen müssen und wollen, da aber auch noch viel Diskussion und Vorarbeit in den Betrieben erforderlich ist um das Thema mit der Breite der Belegschaften durchsetzungsfähig zu machen.

    Von daher bleibt die Arbeitszeitverkürzung bei uns als mittelfristiges tarifpolitisches Ziel auf der Agenda.
     

    Gewerkschaftsarbeit ist wie guter Sex – Nur wer drin, ist bewegt was!

    Am Ende der Konferenz wurde es noch einmal richtig lebhaft. Ein lautstartk aus dem Plenum heraus ausgetragener Diskurs rund um das Thema ver.di-Mitgliedschaft und Mitgliederwerbung endete mit der Zusammenfassung: „Gewerkschaftsarbeit ist wie guter Sex – Nur wer drin, ist bewegt was!“.

    Tarifpolitische Konferenz 2015 Manfred Geneschen Tarifpolitische Konferenz 2015

    Diese Feststellung aufgreifend, verteilten im Anschluss junge Kolleginnen und Kollegen neben Flyern zum Thema Mitgliedschaft auch Kondombriefchen mit dem passenden Aufdruck „Nur wer drin ist, bewegt was!“
     
     

    Viele weitere Impressionen aus der Konferenz: