Tagungen des Landesfachbereichs

    Tag der Mitgliederpolitik 2015 - Die Zukunft der Arbeit in der …

    Tag der Mitgliederpolitik 2015 - Die Zukunft der Arbeit in der TK/IT-Branche

    Am 23. Oktober 2015 veranstaltete der ver.di-Fachbereich Telekommunikation, IT und Datenverarbeitung eine gut besuchte Tagung zum Thema „Die Zukunft der Arbeit in der TK/IT-Branche“ als Tag der Mitgliederpolitik. Es gab Impulsreferate von Wolfgang Zeiher und Georg Hirdes sowie spannende Diskussionen in Arbeitsgruppen und im Plenum.

    Nach einem Grußwort von Conny Parisi-Bohmholt, ehrenamtliche Vorsitzende des Vorstandes des Landesfachbereichs, eröffnete Wolfgang Zeiher, KBR-Vorsitzender IBM Central Holding, die Tagung mit einem Impulsreferat. Wolfgang stellte Entwicklungen bei IBM in Deutschland und auch auf globaler Ebene in den letzen Jahren und Folgen für die Beschäftigten dar.

    Wolfgang Zeiher - KBR-Vorsitzender IBM Central Holding Burkhard Gillmann Wolfgang Zeiher

    Nicht nur hat IBM die Anzahl der Arbeitsplätze in Westeuropa in den letzten Jahren massiv reduziert, sondern gleichzeitig wurden massiv Arbeitsplätze in Offshore (Bsp.: Indien) aufgebaut und in verschiedenen Ländern sogenannte Crowd-Sourcing Projekte gestartet, in denen IT-Arbeiten zu vollkommen sozial unverträglichen Bedingungen angefordert werden. Darüber hinaus versucht IBM tariflich abgesicherte Arbeitsstandards in Deutschland zu drücken. Dies geschieht durch den Aufbau von nicht-tarifierten Parallelstrukturen im Konzern, sowie Druck auf die Beschäftigten und Mitbestimmungsträger.

    Die von Wolfgang aufgezeigten Entwicklungen betreffen nicht nur IBM, sondern sind auch in vielen anderen Unternehmen der Branche zu erkennen. Wolfgang appellierte an uns, diesen Trends durch gute gewerkschaftliche Organisierung, kollektive Handlungsbereitschaft und auch Nutzung von Einflussmöglichkeiten auf die Politik entgegenzuwirken, um der Erosion von Arbeitsstandards in der IT-Branche etwas entgegenzusetzen.

    Georg Hirdes Burkhard Gillmann Georg Hirdes

    Als zweiter Referent war Georg Hirdes, stellvertretender BR-Vorsitzender Deutsche Telekom Technischer Service CCC (Competence Center Consumer), geladen. Georg ging in seinem Vortrag auf die Problematik der Qualifizierung für die Arbeitsplätze der Zukunft vor dem Hintergrund des Umbaus der Telekommunikationsinfrastruktur zu Next Generation Networks ein. Die Frage war: Genügt die aktuelle Qualifikation und Ausbildung in der Branche den Anforderungen zukünftiger Berufsbilder? Bereiten wir die jungen Leute auf die kommenden Herausforderungen gut vor und sichern ihnen damit Beschäftigungsmöglichkeiten?

    Als Ergebnis einer ersten Analyse lässt sich feststellen, dass hier noch deutlich Nachholbedarf besteht. Ver.di hat das Projekt der Innovations- und Weiterbildungspartnerschaft initiiert, welches gemeinsam mit dem Arbeitgeber der Deutschen Telekom durchgeführt wurde. Georg Hirdes arbeitete in dem Projekt mit und gab einen Einblick in die Projektergebnisse.

    Georg stellte unmissverständlich klar, dass Qualifizierung für die zukünftigen Berufsbilder noch viel stärker in den Fokus gerückt werden müsse, um Beschäftigung zu sichern, aber auch den TK-Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft im Markt zu ermöglichen. Er plädierte für eine Fortsetzung von Qualifikationsprojekten und für einen Stellenwert von Qualifikation als zweite Priorität neben der Beschäftigungssicherung bei Betriebsräten und gewerkschaftlichen Mitbestimmungsträgern.

    Beide Vorträge lösten intensive Diskussionen aus und wurden durch zahlreiche Nachfragen von Seiten der Teilnehmer der Tagung begleitet.

    Frank Schmidt, Landesfachbereichsleiter TK/IT/DV NRW Burkhard Gillmann Frank Schmidt

    Nach den beiden Impulsvorträgen nahm unser Landesfachbereichsleiter Frank Schmidt zu den Themen aus Sicht des ver.di-Fachbereichs TK/IT/DV NRW Stellung. Er untermauerte die Dringlichkeit der Themen und gab einen kurzen Überblick über damit verbundene aktuelle Herausforderungen für ver.di. Massive Standortreduzierungen bei der Telekom und Fusionen im TK/IT-Sektor und neue Arbeitsformen in der Branche begleiten die von Georg Hirdes und Wolfgang Zeiher dargestellten Trends. Auch Frank Schmidt machte deutlich, dass wir in bewegten und herausfordernden Zeiten für Gewerkschaften leben und wir unsere gemeinsame Stärke erhöhen müssen, um dem Druck von Arbeitgeberseite gewachsen zu sein.

    Die Tagung wurde am Nachmittag mit drei Arbeitsgruppen fortgesetzt, in denen die Teilnehmer aktiv an einer Problemanalyse und der Entwicklung von Lösungsstrategien mitwirkten. In den Arbeitsgruppen wurde aufgezeigt, dass wir unsere Kommunikation verbessern müssen, um den Beschäftigten in der Branche den Zusammenhang zwischen gewerkschaftlichen Handlungsperspektiven und einer Absicherung ihrer Arbeitsbedingungen zu verdeutlichen. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, dass Gewerkschaft nicht als dritte Partei gesehen wird, die stellvertretend Probleme für die Beschäftigten löst. Nein, wir sind die Gewerkschaft. Unser gemeinsames Handeln als Gegengewicht zur Macht der Arbeitgeber entscheidet über unsere Arbeits- und Lebensbedingungen – so das Fazit aus den Arbeitsgruppen. Darüber hinaus wurde betont, dass wir auch daran arbeiten sollten, unsere Grenzen der Mitbestimmung zu erweitern und daran im Betrieb und in der Gesellschaft politischer zu denken und zu handeln.

    Die Tagung war ein großer Erfolg und sicher werden im Fachbereich weitere Initiativen zu den angesprochenen Themen folgen.