Tagungen des Landesfachbereichs

    Zukunftsforum IT - Menschen, Maschinen und Gute Arbeit 4.0?

    Zukunftsforum IT - Menschen, Maschinen und Gute Arbeit 4.0?

    Industrie 4.0, Dienstleistung 4.0 oder Arbeit 4.0. Hinter diesen Chiffren der Digitalisierungsdebatte verbergen sich eine Reihe unterschiedlicher Themen. Die Prognosen dazu, was das im Detail bedeutet, klaffen dabei weit auseinander. Klar ist: Die Digitalisierung führt zu drastischen Veränderungen in der Arbeitswelt – und das mit hoher Geschwindigkeit. Betriebliche Interessenvertretungen und Gewerkschaften sind gemeinsam gefragt, diese Veränderungen im Sinne der Beschäftigten mitzugestalten und eigene Konzepte zu entwickeln. Das richtige Know-How und gute Vernetzung sind Grundvoraussetzungen dafür.

    Als einen Schritt in diese Richtung hatte der Landes-fachbereich Telekommunikation / Informationstechnologie gemeinsam mit Arbeit und Leben NRW am 2. Juni 2016 zum Zukunftsforum IT für Betriebsräte aus der Telekommunikations- und IT-Branche in die DASA nach Dortmund eingeladen.

    Beteiligung der Beschäftigten muss im Mittelpunkt stehen

    Zukunftsforum IT 2016 Anastasia Polidoros Frank Schmidt

    Frank Schmidt, ver.di-Landesfachbereichsleiter TK/IT, und Dr. David Mintert, stellv. Geschäftsführer Arbeit und Leben NRW betonten in ihrer Begrüßung, dass Handlungskonzepte nur gemeinsam mit den betrieblichen Akteuren und Beschäftigten entwickelt und umgesetzt werden können. Deshalb freuten sie sich auch besonders über die rege Beteiligung. Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren der Einladung gefolgt. Dies spiegle auch die hohe Priorität, die das Thema Digitalisierung bei Gewerkschaften und in der Qualifizierung von betrieblichen Interessenvertretungen hat, so Schmidt und Mintert.

    Zukunftsforum IT 2016 Anastasia Polidoros Charly Brandl

    Aber wovon reden wir eigentlich, wenn es um Digitalisierung geht? Wo wird sie spürbar? Und wie wirkt sie sich auf Beschäftigte aus? Diese Fragen griff Charly Brandl, Bereichsleiter für Innovation und Gute Arbeit in der ver.di-Bundesverwaltung, in seinem Impulsvortrag auf. Schnell wurde klar, dass die Dynamik des digitalen Umbruchs sich bereits heute an der Veränderung unserer Lebensumstände zeigt. Was das für Arbeitsverhältnisse heißen kann, verdeutlichte er am Beispiel des ersten Autos aus dem 3-D Drucker: Die Firma beschäftigt 100 Mitarbeiter, an der Entwicklung mitgearbeitet haben 40.000. Die Crowd macht es möglich. ver.di habe deshalb schon heute, in seiner Initiative GUTE ARBEIT, eine Vielzahl an Maßnahmen eingeleitet, um bedenklichen Tendenzen frühzeitig entgegenzuwirken. Gemeinsam ist ihnen die Grundhaltung. „Die Beteiligung der Beschäftigten muss im Mittelpunkt stehen – Ohne die Menschen wird es keine digitale Arbeitswelt geben.“, so Brandl.

    Qualifizierung kann den Trenngraben einer Zwei-Klassen-Gesellschaft bilden

    Zukunftsforum IT 2016 Anastasia Polidoros Bernd Bienzeisler

    „Die Digitalisierung ist, bezogen auf die damit verbundenen Veränderungen, nur mit der Erfindung der Sprache, der Schrift oder des Buchdrucks vergleichbar. Nur viel dynamischer.“, machte Bernd Bienzeisler zu Beginn seines Vortrags klar. Bienzeisler leitet das Competence Center Dienstleistungsarbeit beim Frauenhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Den Kern seines Vortrags bildeten vier Thesen dazu, wie die Digitalisierung die Arbeit verändern wird. Das Qualifizierung eine Schlüsselrolle für Beschäftigte und Betriebsräte spielt und  wie sie den Trenngraben einer Zwei-Klassen-Gesellschaft bilden kann, wurde in einem Beispiel deutlich. „Die Hochqualifizierten erteilen Maschinen Befehle, die ohne oder mit geringer Qualifizierung führen Befehle von Maschinen aus.“, so Bienzeisler.

    Zukunftsforum IT 2016 Anastasia Polidoros Andrea Baukrowitz

    Der Frage, wie Qualifizierung für nachhaltige Beschäftigung, Gute Arbeit und Innovation in der IT-Branche funktionieren kann, ging anschließend Andrea Baukrowitz nach. Sie hatte unter anderem im Rahmen der Innovations- und Weiterbildungspartnerschaft zu diesem Thema geforscht. Das Berufsbild habe sich im Kontext des globalen Informationsraums gravierend verändert und mit ihm die Qualifikationsanforderungen. Der alte Qualifikationsmodus würde dieser neuen Realität in den meisten Fällen nicht mehr gerecht. „Ein nachhaltiger Umgang mit Qualifikation braucht durchgängige Prozesse von der Unternehmensstrategie und Innovationsplanung über verschiedene Instanzen der Bedarfsermittlung bis hin zum Einsatz von Qualifikation.“, forderte Baukrowitz. Betriebsräte müssten sich zudem dafür einsetzen, dass berufliche Handlungskompetenz in der IT-Branche stärker als Einheit von Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen gesehen würde.

    Zukunftsforum IT 2016 Anastasia Polidoros Manuela Maschke

    Schließlich ging Dr. Manuela Maschke, Referatsleiterin Arbeit und Mitbestimmung bei der Hans-Böckler-Stiftung in ihrem Vortrag konkret auf die Gestaltungsmöglichkeiten durch Betriebsvereinbarungen im Zuge der Digitalisierung der Arbeitswelt ein.

    Zunächst skizzierte sie vier Szenarien zur Mitbestimmung 2035. Das Spannungsfeld liegt dabei zwischen individueller und kollektiver, als auch kooperativer und konfliktorientierter Orientierung. Die Szenarien reichen je nach Ausprägung von Wettbewerb über Verantwortung und Fairness bis hin zu Kampf. In welche Richtung diese gehen werden, ist aber noch vollkommen offen.

    Im zweiten Teil ihres Vortrags zeigte Manuela Maschke auf, welche Regelungsgegenstände durch die Digitalisierung der Arbeitswelt stärker in den Fokus von Gewerkschaften und Betriebsräten rücken. Dabei betonte sie die große Bedeutung von Tarifverträgen zur Sicherung von Standards. Nur auf dieser Grundlage kann die Regelungsmacht durch Betriebsvereinbarungen eine erfolgreiche Beeinflussung der Veränderungen der Arbeitswelt im Sinne der Beschäftigten bedeuten.

    Zukunftsforum IT 2017 mit Beispielen aus der Praxis

    In der anschließenden Podiumsdiskussion standen die Referenten für Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Verfügung. Ein lebhafter Erfahrungsaustausch und viele Anregungen konnten auch hier gewonnen werden.

    Das Fazit der Veranstaltung: Ein gelungener Auftakt , der Wissen, Impulse und Ideen geliefert hat. Dazu trugen auch die Führungen durch die DASA-Sonderausstellung „Die Roboter“ bei, die einen Einblick in die Entwicklung des Verhältnisses von Mensch und Maschine ermöglichten. Das spiegelte sich auch in den Bewertungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder. Für 2017 ist deshalb bereits eine Neuauflage des Zukunftsforums IT angedacht, dann sollen konkrete Beispiele aus der Praxis noch stärker in den Fokus rücken.