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    ISS CS: Letzte Konfliktpunkte gelöst - Tarifverhandlungen auf …

    ISS CS: Letzte Konfliktpunkte gelöst - Tarifverhandlungen auf der Zielgeraden

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    Ein Jahr Tarifverhandlungen

    Im Oktober 2017 hat die Meldung des Telekom-Vertragsverlusts die Beschäftigten der STRABAG-Betriebe schwer getroffen. Es bestand die Gefahr des Arbeitsplatzverlusts für über 3.000 Beschäftige in der STRABAG PFS und STRABAG FS.

    ver.di hat sich seitdem für den Erhalt der Arbeitsplätze und der Arbeitsbedingungen eingesetzt. Unter dem Motto „best workers for Deutsche Telekom!“ hat ver.di deutlich gemacht, dass es die Beschäftigten sind, die für eine hohe Qualität im Telekom-Account stehen und die Sicherung der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen die höchste Priorität besitzt.

    Im März 2018 konnte ver.di ein Eckpunktepapier verabreden, in dem erste Zusagen von ISS getätigt wurden. Kurz zuvor einigten sich STRABAG und ISS in einem „memorandum of understanding“ auf weitreichende Spielregeln der Zusammenarbeit im Rahmen des Dienstleisterwechsels im Telekom-Account.

    Im Eckpunktepapier wurden unter anderem die Übernahme aller im Telekom-Account beschäftigten Kolleginnen und Kollegen, ein Kündigungsschutz bis 30.06.2021 und eine Volltarifierung der damals noch als leere Hülle bestehenden ISS Communication Services GmbH (im Folgenden ISS CS) verabredet worden. Bereits diese beiden Papiere fanden eine große Beachtung innerhalb der Branche. Häufig kommt es in der FM-Branche vor, dass Kundenverluste und Betriebsübergänge mit betriebsbedingten Kündigungen und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen einhergehen.

    Im Sommer 2018 begann für ver.di und ISS CS ein umfangreicher Verhandlungsprozess um die in den Eckpunktepapieren vereinbarten Verabredungen in konkrete Tarifverträge zu gießen. Wie so oft, wurde auch hier deutlich, dass der Teufel im Detail steckt und daraus Diskussionspunkte entstanden. Denn trotz weitreichender Eckpunkte war für die ISS CS als Arbeitgeber der Spagat zwischen dem Aufbau einer neuen Firma, dem Einhalten von Konzernvorgaben und dem zugesagten Erhalt der bestehenden Arbeitsbedingungen eine Herausforderung.

    Mit Abschluss des Tarifvertrag Sonderregelungen im August 2018 wurden erste maßgebliche Vereinbarungen zur Begleitung des Betriebsübergangs und zur Absicherung von Besitzständen von bestehenden Arbeitsverhältnissen getroffen.

    Nach insgesamt einem Jahr Verhandlungen konnten ver.di und ISS CS nun in allen strittigen Punkten Lösungen verabreden, die einen Erhalt der Arbeitsbedingungen und eine Sicherung des Tarifniveaus in der Branche beinhalten. 

    In dieser Tarifinfo gibt ver.di wichtige Hinweise für die zukünftigen Beschäftigten der ISS Communication Services.
     

    Manteltarif-Regelungen

    Der Manteltarifvertrag regelt die Mindestarbeitsbedingungen innerhalb der ISS CS und wird auf dem Niveau des STRABAG-PFS Tarifvertrag abgeschlossen.

    Die innerhalb der STRABAG PFS bestehende Wahlfreiheit für Stunden aus Mehrarbeit oder Störungseinsätzen (180 Stunden Kontingent) bleibt unverändert bestehen. 

    Ergänzend zur bestehenden Regelung wurde sich darauf verständigt, dass für den Zeitraum 01.07.2019 bis 31.12.2019 und für den Zeitraum 01.01.2020 bis 30.06.2020 jeweils zusätzliche 60 Stunden ausbezahlt oder in das Zeitwertkonto überführt werden, sofern ISS CS Mehrarbeit anordnet.

    Für Stunden aus Arbeitszeitkonten, die während der Zeit bei STRABAG PFS aufgebaut wurden, ist der Arbeitgeber ISS bis zum 31.12.2019 einmalig berechtigt, eine Auszahlung der „übernommenen Stunden“ anzubieten. Die Auszahlung ist freiwillig und erfolgt nach der Stundenvergütung des Entgeltrahmentarifvertrags.

    Die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer wird für eine Beschäftigungszeit von mindestens 5 Jahren auf 2 Monate und für eine Beschäftigungszeit von mindestens 9 Jahren auf 3 Monate verlängert.

    Die Regelung zu Kündigungsfristen für Arbeitgeber bleiben unverändert zwischen 2 Monaten, nach einer Beschäftigungszeit von mehr als 3 Jahren bis zu 7 Monaten, nach einer Beschäftigungszeit von mehr als 12 Jahren.

    Achtung: Beschäftigte müssen sich gegenüber ISS neu erklären.

    Die bei STRABAG PFS getroffene Entscheidung (Verbleib in Arbeitszeitkonto, Überführung in Zeitwertkonto oder Auszahlung) wird nicht automatisch in die ISS CS übernommen. Alle Beschäftigten müssen sich unmittelbar nach dem Betriebsübergang, spätestens allerdings innerhalb zwei Monate neu entscheiden und diese Entscheidung dem Arbeitgeber ISS CS mitteilen.
     

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    Fortführung betriebliche Altersversorgung

    Die bisherigen Regelungen zur betrieblichen Altersversorgung werden fortgeführt. Zur Absicherung der bisher über den Telekom Pensionsfonds organisierten betrieblichen Altersversorgungen werden die Ansprüche der Beschäftigten im „Tarifvertrag Überleitung tarifvertraglicher Versorgungszusagen“ festgeschrieben.
     

    Abschluss Tarifvertrag Rationalisierungsschutz

    Bereits im Februar 2019 haben ver.di und ISS den Tarifvertrag Rationalisierungsschutz unterzeichnet. Damit ist die Fortführung des Tarifvertrag Rationalisierungsschutz in bisheriger Form für alle Beschäftigten aus dem Geltungsbereich der Tarifverträge der STRABAG PFS gesichert.

    In Verbindung mit dem Ausschluss betriebsbedingter Beendigungskündigungen bis 30.06.2021 für alle Beschäftigten aus STRABAG PFS und STRABAG FS wurde ein hohes Schutzniveau für Beschäftigte erreicht.
     

    Entgelterhöhungen in ISS CS

    Die bereits im Eckpunktepapier vereinbarten Entgelterhöhungen in Höhe von jährlich 2 % in den Jahren 2020 und 2021 werden in den Entgelttarifverträgen festgehalten. Diese enthalten ebenfalls eine Überprüfungsklausel für den Fall einer stärker als 2 % ausfallenden Inflationsrate in diesen Jahren.
     

    Umstellung Zahlungsdatum

    Im Rahmen der Verhandlungen haben die Arbeitgeber ISS darauf gedrängt, den Zeitpunkt der Entgeltzahlungen gemäß dem Konzernstandard ISS auf das Ende des Abrechnungsmonats zu verlegen. Zur Unterstützung einer reibungslosen Entgeltbuchhaltung hat ver.di diesem Arbeitgeberinteresse entsprochen und zur finanziellen Absicherung der Beschäftigten eine Umstellungsregelung vereinbart.

    Umstellung Zahlungszeitpunkt ver.di FB 9 Umstellung Zahlungszeitpunkt

    Konkret bedeutet dies für alle Beschäftigten, die ihr Gehalt bisher zum 16. eines Monats (STRABAG PFS) erhalten haben, dass sie mit der August-Gehaltszahlung eine zusätzliche Vorauszahlung in Höhe von 50 % eines Monatsgehalts erhalten, die im Folgemonat wieder einbehalten wird.

    Auf Wunsch des Beschäftigten kann die Rückzahlung der Vorauszahlung auf insgesamt drei Monate gestreckt werden. Ebenso haben die Beschäftigten die Möglichkeit, auf die Vorauszahlung zu verzichten.

    Der Arbeitgeber wird den Wunsch der Beschäftigten zur Vorauszahlung im Juni 2019 abfragen.

    Für ehemalige Beschäftigte der STRABAG FS, wird der Zahlungszeitpunkt nicht verändert. Diese erhalten ihre Lohnzahlung weiterhin zum 15. des Folgemonats.
     

    Integration STRABAG FS

    ver.di hat sich in allen Verhandlungen für eine Integration der Tarifbedingungen der STRABAG FS in das zukünftige Tarifgefüge der ISS CS eingesetzt. Die von ISS CS in diesem Zusammenhang immer wieder eingebrachte Bedingung der kostenneutralen Umsetzung der Integration hat die Verhandlungen enorm erschwert.

    In der letzten Woche konnte ein Kompromiss erarbeitet werden, der beide Seiten schmerzhafte Zugeständnisse abverlangt, der am Ende aber auch von beiden Seiten getragen werden konnte.

    Auf Basis des Tarifvertrag der bisherigen STRABAG FS wird bei ISS CS ein Tarifvertrag „gewerbliche Arbeitnehmer“ abgeschlossen.

    Unmittelbar zum 01.07.2019 erfolgt jedoch eine Erhöhung des Urlaubsanspruchs auf 30 Tage pro Jahr. Für Rufbereitschaft und Herbeiruf kommen zukünftig die Regelungen aus der STRABAG PFS zur Anwendung (Wochenpauschale Rufbereitschaft 210 €, Einsatzpauschale Herbeiruf 90 €).

    Die Regelung zum Arbeitgeberzuschuss bei Vermögenswirksamen Leistungen in Höhe von 22 € bleibt erhalten. Ebenso die Regelung zum Urlaub an Vorfesttagen (24. und 31. Dezember).

    Zusätzlich wurde ein Entwicklungspfad für Haustechniker vereinbart, der eine Stufenweise Entwicklung für Mitarbeiter*innen in der Lohngruppe L6 nach zwei Jahren in die Lohngruppe L7 und nach weiteren zwei Jahren in die Entgeltgruppe 5 der ISS CS vorsieht.
     

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    Zuordnungstarifvertrag und Übergangsbetriebsräte

    Für ver.di ist die Betreuung der Beschäftigten durch kompetente und handlungsfähige Betriebsräte ein wichtiges Thema.

    Bis in die letzte Woche hinein fand eine intensive Diskussion um die zukünftigen Betriebsstrukturen in der ISS CS statt. Erst Ende Mai wurde festgezurrt, dass es zukünftig fünf regionale Betriebe, den Betrieb Betriebsschutz und den Betrieb Zentralfunktionen geben wird.

    In einem Zuordnungstarifvertrag haben ver.di und ISS diese Betriebsstruktur und Regelungen für die Betriebsräte im Übergang und nach den anstehenden Neuwahlen vereinbart. ver.di geht davon aus, dass im Herbst 2019 Neuwahlen aller Betriebsräte innerhalb der ISS CS stattfinden. Die Vorbereitungen dazu hat ver.di in den letzten Wochen begonnen.
     

    Fortführung Tarifverträge

    In folgenden Tarifverträgen konnten die Redaktionsverhandlungen bereits abgeschlossen werden:

    • TV Arbeitszeitkonten
    • TV Zeitwertkonten
    • TV Auszubildende
    • TV Duale Studiengänge
    • TV Servicepauschale
    • TV Betriebsleiterzulage
    • TV Montage

    Diese Tarifverträge werden nun in das Unterschriftenverfahren gegeben. Nach Unterzeichnung aller Tarifverträge werden ver.di und ISS CS ein Gesamtpaket veröffentlichen.
     

    Zukünftige Verhandlungen

    Angesichts der Neugründung der Firma ISS CS liegen in einigen Themen bisher noch nicht ausreichend Erfahrungswerte vor. Zu anderen Themen konnten aufgrund von Komplexität und Kostenzwängen in der verfügbaren Zeit keine zufriedenstellenden Regelungen getroffen werden.

    Daher haben sich ver.di und ISS CS darauf verständigt im weiteren Zeitverlauf weitere Verhandlungen aufzunehmen und abschließende Lösungen zu finden.

    Im Frühjahr 2020 sollen Verhandlungen zur Lösung von aktuell bestehender Bewertungskonflikte im „mittleren technischen Bereich“, betreffend die Funktionen in den Lohngruppen L5 bis L7 und Entgeltgruppen EGr 4 und EGr 5 aufgenommen werden.

    Im Frühjahr 2021 sollen Verhandlungen zu einer weiteren Integration der heutigen STRABAG FS-Mitarbeiter oder gewerblichen Arbeitnehmer in das Tarifwerk der ISS CS aufzunehmen. Ebenso verständigten sich ver.di und ISS CS darauf, im Frühjahr 2021 Verhandlungen über ein neues Entgeltgruppenverzeichnis aufzunehmen.

    Zusätzlich wurden weitere Verhandlungen zu den Themen Rufbereitschaft/Herbeiruf sowie Mehrarbeit vereinbart. Ein konkreter Zeitpunkt wurde dazu nicht festgelegt.

    Wie schon im Eckpunktepapier vereinbart, wird die nächste Entgelt-Tarifrunde  mit ISS CS im Sommer 2021 stattfinden.
     

    Fazit

    In intensiven und komplizierten Verhandlungen haben ver.di und ISS CS mit den vorliegenden Verhandlungsergebnissen die Arbeitsbedingungen für bestehende und zukünftige Arbeitsverhältnisse in der ISS Communication Services festgelegt. Das vorliegende Verhandlungsergebnis sorgt für eine Absicherung der Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen.

    Diese erfolgreichen Verhandlungen mit dem Verhandlungsergebnis beruhen maßgeblich auf dem hohen Organisationsgrad der Beschäftigten innerhalb der STRABAG Gesellschaften.

    Für nähere Informationen stehen die ver.di-Vertrauensleute und ver.di-Betriebsräte zur Verfügung.
     

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