Tarif

    Nicht selbstverständlich

    Internationaler Tag der Tarifbewegung

    Nicht selbstverständlich

    Unsere Jugend hat, anlässlich des internationalen Tags der Tarifbewegung, ein paar spannende Beispiele von Regelungen zusammengestellt, die für uns selbstverständlich wirken mögen, in manchen anderen Ländern so aber nicht existieren. Und auch bei uns mussten sie erst von Gewerkschaftsmitgliedern durchgesetzt werden.
     

    nicht selbstverständlich: Lohnfortzahlung ver.di Jugend IKT NRW nicht selbstverständlich: Lohnfortzahlung

    Nicht selbstverständlich – Lohnfortzahlung

    Werdet ihr während eurer Ausbildung oder eurem dualen Studium länger krank, so ist die Situation für alle Arbeitnehmer in Deutschland recht einheitlich geregelt, bis zu sechs Wochen wird die Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber übernommen, danach steigt die Krankenkasse ein. Erst hier habt ihr Gehaltseinbußen.

    In anderen europäischen Ländern sieht die Situation weit schlechter aus. In der Slowakei beispielsweise hat ein Arbeitnehmer nur 10 Tage volle Lohnfortzahlung, schon danach gibt es weniger Lohn. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den USA ist nicht alles möglich. Je nach Bundesstaat verschieden hat man in den Vereinigten Staaten jedoch maximal sieben bezahlte Krankentage pro Jahr.

    Mehr könnten zum Beispiel Gewerkschaften vereinbaren, allerdings sehen sich Gewerkschaften und aktive Gewerkschafter sehr häufig Repressionen und Anfeindungen bis hin zu Kündigungen ausgesetzt.
     

    nicht selbstverständlich: Krank und zuhause bleiben ver.di Jugend IKT NRW nicht selbstverständlich: Krank und zuhause bleiben

    Nicht selbstverständlich - Krank und zuhause bleiben

    Seid ihr krank und es geht euch schlecht, dann ist es hier in Deutschland simpel: ihr geht zum Arzt und lasst euch krankschreiben oder könnt zum Teil den ersten Tag auch ohne Krankschreibung zu Hause bleiben, eurer Gehalt bekommt ihr für den ganzen Tag weiterhin. Selbst wenn ihr mit einer Grippe 10 Tage im Bett liegt, bekommt euere Geldbörse davon nichts mit.

    In EU Ländern wie der Slowakei könntet ihr wegen einer Krankheit auch zuhause bleiben, allerdings kann der Arbeitgeber eine Anwesenheitsprämie einführen, sodass ihr einen Bonus bekommt, wenn ihr immer anwesend seid. Meldet ihr euch auch nur einen Tag krank, kann es Abzüge vom Bonus geben, bis hin zu Abzügen von euren regulären Gehalt. Ihr würdet für das Gesundwerden bestraft. In der Realität hat das zur Folge, dass viele Menschen krank zur Arbeit gehen oder Erholungsurlaubstage zum Gesundwerden nutzen.

    In den Vereinigten Staaten sind derartige Anwesenheitsprämien auch nicht ungewöhnlich.
     

    nicht selbstverständlich: Urlaub ver.di Jugend IKT NRW nicht selbstverständlich: Urlaub

    Nicht selbstverständlich - Urlaub

    Wenn ihr in das Gesetz schaut, stellt ihr fest, als Nachwuchskraft habt ihr ein Anrecht auf vier Wochen Jahresurlaub. Durch euren Tarifvertrag dürft ihr euch im Schnitt in Deutschland, aber über sechs Wochen Urlaub freuen. Mitarbeiter in Betrieben ohne Tarifierung haben übrigens unterdurchschnittlich wenig Urlaub.

    Schauen wir in das europäische Ausland, beispielsweise die Slowakei, haben dort die Mitarbeiter auch ein Anrecht auf viel Wochen Urlaub. Allerdings haben die Beschäftigten dort im Durchschnitt auch mit Tarifverträgen nur 21,1 Tage Urlaub im Jahr.

    In den USA gibt es keinen Anspruch auf Urlaub, im Schnitt sind dort jedoch 10 Tage Urlaub üblich, 1/3 des deutschen Schnittes.
     

    nicht selbstverständlich: Zeit für Familie und Hobbies ver.di Jugend IKT NRW nicht selbstverständlich: Zeit für Familie und Hobbies

    Nicht selbstverständlich - Zeit für Familie und Hobbies

    Während eurer Ausbildung und eurem Studium sowie im weiteren Berufsleben werdet ihr in Deutschland im Regelfall höchstens 40 Stunden in der Woche arbeiten. In Betrieben mit starken Betriebsräten und Gewerkschaften tendenziell auch weniger. Zudem werden eure Arbeitszeiten vermerkt und Überstunden bezahlt. Falls ihr zu viel arbeitet, steht euch euer Betriebsrat zur Seite und verteidigt eure Arbeitnehmerrechte.

    In vielen weiteren EU Ländern, hier beispielsweise die Slowakei, gibt es zwar auch Höchstarbeitszeiten, in der Slowakei beträgt diese auch 40 Stunden in der Woche, jedoch werden Überstunden und Mehrarbeit häufig nicht erfasst, die Mitarbeiter arbeiten mehr für das gleiche Geld.

    Die Beschäftigten in den USA arbeiten oftmals weit über 40 Stunden die Woche, manchmal auch mit Zweit- und Drittjob. Ausgeprägte Arbeitnehmerschutzgesetze gibt es nicht. Überstunden werden nicht selten erwartet und sind meistens unbezahlt. Ausgeprägte Betriebsratsstrukturen gibt es in den wenigsten Unternehmen.
     

    nicht selbstverständlich: Ausbildung ver.di Jugend IKT NRW nicht selbstverständlich: Ausbildung

    Nicht selbstverständlich - Ausbildung

    Hier in Deutschland seid ihr durch gesetzliche Regelungen wie dem BBiG (für Auszubildende) und durch (J)AV'en geschützt und eure Interessen werden vertreten.
    Eure Forderungen werden in Tarifverträgen berücksichtigt und ihr könnt eure Arbeitsbedingungen selbst verändern.

    In den anderen europäischen Ländern gibt es weniger Schutz für Nachwuchskräfte. Beispielsweise in der Slowakei gibt es erst seit 2015 überhaupt ein duales Ausbildungssystem, auch Jugend- und Auszubildendenvertretungen gibt es nicht.

    In den USA gibt es ebenfalls die duale Ausbildung, hier wird sie entweder von Gewerkschaften und Berufsverbänden organisiert. Allerdings sind die Absicherungen und Sicherheiten vergleichbar mit einem regulären Arbeitsverhältnis in den USA - hire & fire.
     

    nicht selbstverständlich: Kündigungsschutz ver.di Jugend IKT NRW nicht selbstverständlich: Kündigungsschutz

    Nicht selbstverständlich – Kündigungsschutz

    In Deutschland seid ihr während eurer Zeit als Nachwuchskraft, aber auch als Arbeitnehmer vor unberechtigten und spontanen Kündigungen geschützt.
    Eure (J)AV oder der Betriebsrat muss immer mit einbezogen werden und mit Hilfe der Stellungnahme eurer Interessensvertretung könnt ihr euch vor Gericht im schlimmsten Fall einklagen.
    Betriebsbedingte Kündigungen können zudem durch tarifvertragliche Regelungen ausgeschlossen werden.

    Auch in der Slowakei sind Kündigungen nur aus einem triftigen Grund möglich, die Mindestkündigungsfrist ist im Regelfall ein Monat, Betriebsräte müssen nur bei Massenentlassungen mit einbezogen werden.

    In den Vereinigten Staaten sind die Kündigungsfristen eines Arbeitsverhältnisses nicht gesetzlich geregelt. Eine Kündigung ist somit sofortig möglich, sofern durch Gewerkschaften nicht etwas anderes geregelt ist.
     

    Fazit

    Im Vergleich zu vielen anderen Ländern geht es euch und euren Arbeitskollegen hier gut.
    Die Gesetzte berücksichtigen Arbeitnehmer*innenrechte und durch Tarifverträge wird das gesetzliche Minimum ausgebaut.

    Tarifpolitik - stärker mit dir! ver.di FB 9 Tarifpolitik - stärker mit dir!

    Solche Regelungen sind jedoch nicht selbstverständlich, Generationen von Gewerkschaftern haben durch politisches Engagement und Arbeitskampf im Betrieb diese Regelungen erstritten und verteidigt.

    Tarifverträge und Gesetzte sind aber nicht in Stein gemeißelt, mit eurer Mitgliedschaft und eurem Engagement in der Gewerkschaft kämpft ihr für den Schutz von Arbeitnehmerrechten und der Verbesserung von euren Arbeitsbedingungen.

    Nichts ist selbstverständlich.

     
     
     
     
     
     
     
    Quellen: