Tarifbewegung 2016

    Tarifrunde Telekom 2016 beginnt. Gerecht wird es nicht von allein

    Tarifrunde Telekom 2016 beginnt. Gerecht wird es nicht von allein

    Auch in der aktuellen Ausgabe 01 / 2016 der ver.di-Mitgliederzeitung PUBLIK ist die anlaufende Tarifrunde für die ver.di-Mitglieder bei der Telekom Thema.

    Gerecht wird es nicht von allein
    Tarifrunde 2016 hat begonnen

    Fünf Prozent mehr Geld. Das fordert ver.di für die Beschäftigten bei der Konzernmutter und im Deutschlandsegment der Telekom. Drei Monate haben die ver.di-Mitglieder im Unternehmen intensiv über ihre Forderungen diskutiert. Die Große Tarifkommission des Bundesfachbereichs Tele­kommunikation/IT hat sie im Dezember schließlich beschlossen. Der neue Tarifvertrag soll zwölf Monate laufen. Verlängert werden soll der bisher geltende Ausschluss von betriebsbedingten Beendigungs­kündigungen. Den vorigen Entgelttarifvertrag hatte ver.di fristgerecht zum 31. Januar gekündigt. Auch der Verzicht auf Kündigungen ist zu diesem Datum ausgelaufen.

    Logo Tarifrunde 2016 ver.di FB 9 Logo Tarifrunde 2016

    Die monatliche Vergütung der Auszubildenden und der dual Studierenden sowie die Prämie all jener, die im Unternehmen eine Einstiegsqualifikation erfolgreich absolviert haben, soll um 60 Euro steigen. Die Unterhaltsbeihilfe soll angehoben werden.

    Für die unteren Einkommen will ver.di eine zusätzliche Komponente durchsetzen, um diese Löhne überproportional zu erhöhen.

    Ein Schwerpunkt der Tarifrunde wird es sein, die Beschäftigten vor dem Verlust des Arbeitsplatzes zu schützen. Der andere: sie am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen. Die Botschaft der Aktiven bei ver.di an die Kolleg/innen heißt nun: "Gerecht wird es nicht von alleine! Deshalb jetzt mitziehen!"

    Der Hintergrund der Tarifrunde

    Mitte 2015 arbeiteten im Deutschlandsegment der Telekom nach eigenen Angaben 69.000 Menschen. Hinzu kommen die Beschäftigten der Konzernmutter, von T-Systems und rund 9.000 Azubis und dual Studierende. Die Bundesrepublik Deutschland hält direkt 14,5 Prozent und indirekt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau weitere 17,4 Prozent der Aktien. Klar ist: Die Tarifrunde findet in einem schwierigen Umfeld statt. Bei dem auf das Geschäftskundengeschäft spezialisierten Unternehmensbereich T-Systems sollten bis Ende des vorigen Jahres 4.900 Stellen durch freiwilligen Wechsel der Beschäftigten gestrichen werden, sonst greift der mit ver.di für diesen Bereich vereinbarte Kündigungsschutz nicht. Die Zahl wurde knapp verfehlt, ver.di verhandelte zuletzt im Dezember mit dem Arbeitgeber darüber.

    Im Konzern werden seit Jahren kontinuierlich Stellen abgebaut, und ein Ende ist nicht in Sicht. Dabei stieg der Konzernüberschuss im dritten Quartal 2015 im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres um fast 60 Prozent auf mehr als 800 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen wuchs um 12,9 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

    Erfolge auf Kosten der Belegschaft erreicht

    Florian Moser, Vorsitzender ver.di Jugend TK/IT Nico Weis Florian Moser

    "Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Telekom sind blendend", stellt Florian Moser fest. Er ist im Betriebsrat beim Telekom-Kundenservice Südwest und Vorsitzender der ver.di-Jugend im Bundesfachbereich Telekommunikation, IT und Datenverarbeitung. "Der Arbeitgeber kann ein so gutes Ergebnis nur präsentieren, weil auf Kosten der Belegschaft die Effizienz gesteigert wurde." Die Beschäftigten würden die Folgen täglich durch steigende Arbeitsverdichtung spüren. "Deshalb wollen sie jetzt auch ihr Stück vom Kuchen abkriegen und deutlich mehr im Geldbeutel sehen", sagt Moser.

    Josef Bednarski, Telekom-Konzernbetriebsratsvorsitzender und ver.di-Bundesfachbereichsvorsitzender, richtet seinen Blick besonders auf den Schutz der Kolleginnen und Kollegen vor betriebsbedingten Beendigungskündigungen. Das werde zwar ein "schwieriges Thema", doch in den vorigen Tarifrunden sei hier auch schon viel erreicht worden.

    Landesfachgruppenkonferenz Telekommunkation Manfred Geneschen Jupp Bednarski

    "Die Beschäftigten sind seit Jahren mit Reorganisationen, Personalabbau und -umbau konfrontiert", sagt Bednarski. Im Zuge der Digitalisierung sei zu erwarten, dass der Konzern weiteren Stellenabbau vorbereiten könnte. Es sei aber nicht hinnehmbar, "dass die Beschäftigten erst die Plattformen, Netze und Rahmenbedingungen für Digitalisierung und Unternehmenserfolg schaffen und dann mit Kündigung bedroht werden".

    Für T-Systems und die dazugehörenden Unternehmen können die noch geltenden Entgelttarifverträge erst zum 31. März gekündigt werden. Auch hier gilt: Die Leistung der Beschäftigten wird für die Telekom immer wichtiger. Telekom-Vorstand und T-Systems-Chef Reinhard Clemens sagte dem Handelsblatt bereits im vergangenen Jahr, eines der Wachstumsthemen der Telekom sei das Großkundengeschäft. Und dafür würde T-Systems gebraucht.

    Text des Artikels in der publik: Silke Leuckfeld