Vertrauensleute

    Regionale Online–VL-Konferenz der Bezirksfachbereiche Köln–Bonn–Leverkusen …

    Vertrauensleute - aktive im Betrieb

    Regionale Online–VL-Konferenz der Bezirksfachbereiche Köln–Bonn–Leverkusen und Aachen–Düren–Erft

    „Gewerkschaftsarbeit in Zeiten von Home-Office & Co“

    Menschen dafür begeistern für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu kämpfen
     

    Knapp 90 Vertrauensleute der Region trafen sich am 23. April 2021 in einer Online-Konferenz um die, durch die Corona–Pandemie beschleunigten, Veränderungen in der Arbeitswelt zu diskutieren und sich über deren Auswirkungen auf die Gewerkschaftsarbeit vor Ort auszutauschen.

    Das Moderatoren-Team Michael Regel für den Bezirksfachbereich TK.IT Köln-Bonn-Leverkusen und Benny Jessat für den Bezirksfachbereich TK.IT Aachen – Düren – Erft begrüßten die Teilnehmer*innen und stellten den Ablauf der Konferenz vor sowie die Inhalte und Ziele dar.

    Warum diese Konferenz? ver.di FB 9 NRW Warum diese Konferenz?

     
    Viele der Teilnehmer*innen hatten schon bei der Registrierung die Möglichkeit genutzt ihr Thema in die Konferenz einzubringen Themen:

    Die Themen der VL ver.di FB 9 NRW Die Themen der VL

     
    Gleich zu Beginn ging unser Bundesfachbereichsleiter TK.IT Florin Haggenmiller auf das zentrale Thema der Veranstaltung ein. In seinem Vortrag mit dem Titel: „Homeoffice, mobile Arbeit und das neue Normale? Was passiert da gerade?“ analysierte er kurz und prägnant die derzeitigen Veränderungen. Der von Corona getriebene Wandel von Inhouse zu Home-Office bzw. mobilem Arbeiten genieße bei den Beschäftigten in der TK & IT Branche, aber auch darüber hinaus, trotz steigender Flexibilitätsanforderungen eine sehr hohe Akzeptanz stellte Florian Haggenmiller zusammenfassend fest.

    Screenshot mit Florian Haggenmiller ver.di FB 9 NRW Screenshot

    Auch machte er deutlich, welche Schlussfolgerungen IKT-Unternehmen wie Telefonica, Vodafone, Deutsche Telekom, Net Cologne, IBM… aus der Situation ziehen. Home-Office und Co führt bei diesen Unternehmen zu Flexibilitäts- und damit Produktivitätsgewinnen sowie zu Kosteneinspareffekten bei Immobilien und Betriebskosten.

    In einem Zukunftsszenario beleuchtete er dann Chancen und Risiken dieser Entwicklung und machte unseren gewerkschaftlichen Standpunkt hierbei deutlich.

    Schon sehr früh hat der Fachbereich TK.IT die Leitplanken für gute mobile Arbeit (selbstbestimmt, gesund mit Wahlfreiheit und Fairness) beschrieben. Im Rahmen dieser Leitplanken wollen wir innovative mitgliederorientierte Positionen entwickeln, Haltung einnehmen und Regelungen schaffen egal auf welcher Ebene. Das neue Arbeitsumfeld brauche die Beteiligung der Beschäftigten. Gewerkschaft lebt durch Beteiligung und vom Mitmachen.

    Nicht ohne Stolz können wir darauf verweisen, dass sich unser Fachbereich bereits seit über 23 Jahren dafür einsetzt, dass Menschen von zuhause aus arbeiten können. So alt ist der 1. Tarifvertrag zur Telearbeit den unser Fachbereich durchgesetzt hat.

    Aber gute Regelungen fallen nicht vom Himmel – sie brauchen Durchsetzungsfähigkeit. Derzeit sinke unsere Durchsetzungsfähigkeit trotz guter Tarifregelungen. Wir müssen zu alter Durchsetzungsfähigkeit wiederfinden. Dazu ist es notwendig, dass jeder in seinem Bereich auf seine Kolleg*innen zugeht und auch im Home-Office das persönliche Gespräch über ver.di führt. Wir müssen wieder Menschen dafür begeistern für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu kämpfen. Dies geht nur in einer Gewerkschaft wie ver.di und wenn wir viele sind.

    Screenshoat aus der VL-Konferenz ver.di FB 9 NRW Screenshot

    Mit der Definition von Solidarität aus dem Duden: „Unbedingtes Zusammenhalten mit jemandem aufgrund gleicher Anschauungen und Ziele“ leitete Haggenmiller dann zum Tag der Arbeit über.

    Am Ende seines Vortrages machte er auf die neuen Kommunikationskanäle des Bundesfachbereichs (Facebook, twitter, Instagram) aufmerksam, bedanke sich für die Unterstützung aus NRW und forderte die Anwesenden auf diese Kanäle bei ihren Kolleg*innen bekannt zu machen. Nur so werden unsere Botschaften auch gehört und können wir zielgerichtet junge Menschen erreichen.

    An dem Vortrag schloss sich eine sehr lebhafte Diskussion an, die den Zeitplan der Konferenz ins Wanken brachte.  Obwohl selbst im Umzugsstress ließ es sich Florian Haggenmiller nicht nehmen alle Fragen der Teilnehmer*innen zu beantworten. Ein gelungener Einstieg um die Veränderungen der Arbeitsbedingungen und die Auswirkungen auf unsere Gewerkschaftsarbeit vor Ort weiter in Arbeitsgruppen zu diskutieren.
     

    Ziel der Veranstaltung war neben dem inhaltlichen Austausch, den Teilnehmer*innen genügend Raum zu geben sich selbst einbringen zu können, den anderen besser kennenzulernen und bestenfalls sich zu vernetzen. Soweit dies in einer Videokonferenz überhaupt möglich ist, geht dies nur in kleineren Gruppen. Aus diesem Grund stellte die Gruppenarbeit auch den Schwerpunkt der Konferenz dar.

    Obwohl in den Workshops unterschiedliche Themen bearbeitet wurden, ging es bei allen Arbeitsgruppen um die zentrale Frage, wie wir den gewerkschaftlichen Kontakt zu den Kolleg*innen im Home – Office halten können und sie mit unseren Themen erreichen und bestenfalls für ver.di gewinnen können. Es ging um nicht weniger als unsere Durchsetzungsfähigkeit.

    Die vier Arbeitsgruppen wurden von Moderatoren der beiden Fachbereichsvorstände begleitet. An dieser Stelle noch mal ein herzlicher Dank an alle Arbeitsgruppenmitglieder für ihre guten Beiträge und die vorgestellten Arbeitsgruppenergebnisse.
     

    Arbeitsgruppe 1: Social Media

    Moderation: Steffi Frank (BeG PVG West) & Benny Jessat (BeG DTT Ac-Dn-MG)

    In der Arbeitsgruppe Social Media wurden die datenschutzrechtlichen Bedenken gegenüber Facebook, Instagram, Twitter & Co deutlich. Auch wurde die Versorgung der Kanäle mit ständig neuen aktuellen Informationen als problematisch und vor Ort kaum leistbar eingeschätzt. Wünschenswert seine eigene Open Source Systeme. Auch wurde das Thema Systemsicherheit diskutiert. Politisch wurde eingefordert auch ehrenamtliche Kolleg*innen in die Diskussion über Themen der Netzpolitik einzubinden.

    Arbeitsgruppe 1 ver.di FB 9 NRW AG 1

    Die Diskussion in der Arbeitsgruppe hat gezeigt, dass viele unserer Vertrauensleute diese Medien noch nicht nutzen. Ganz im Gegensatz zu der Jugend die mit Facebook & Co „groß geworden“ ist und sich einen Alltag ohne Social-Media nicht vorstellen kann und möchte.

    Social-Media-Kanäle bieten viele andere, neue Möglichkeiten zielgerichteter Kommunikation und Selbstdarstellung. So besteht insgesamt die Einschätzung das Social-Media für unsere gewerkschaftliche Kommunikation an Bedeutung gewinnen müssen.
     

    Arbeitsgruppe 2: Persönliche Ansprache

    Moderation: Bettina Ricke – Schwarz (BeG DTAG/DT Zentrale zentrale Betriebe Köln) &  Lothar Kuckenberg (BeG Media Broadcast)

    Persönliche Gespräch mit den Kolleg*innen über ver.di liefen vor der Corona Pandemie oftmals nebenbei in der Kantine, auf dem Flur oder am Rande von Besprechungen. Aufgrund von Home-Office und mobiler Arbeit gibt es diesen „Flur-Funk“ nicht mehr, der persönliche Kontakt zu den Beschäftigten ist sehr viel schwieriger geworden. Trotzdem, da ist sich die Arbeitsgruppe einig, ist das persönliche Gespräch die effektivste Kommunikationsform. 

    AG 2 ver.di FB 9 NRW AG 2

    Damit persönliche Gespräche verstärkt stattfinden, ist es wichtig Hemmnisse abzubauen. So empfiehlt die Arbeitsgruppe ver.di Informationen für VL zur Ansprache der Beschäftigten. Auch kann es hilfreich sein erst die „eigenen“ Kolleg*innen anzusprechen. Infostände am Standort stärken die Sichtbar- und Erlebbarkeit von ver.di und der Ausbau von Online-Angebote wie z.B. Themennachmittage der Gewerkschaft per Videokonferenz erhöhen die Attraktivität.

    Fazit der Arbeitsgruppe ist, dass wir mehr Präsenz zeigen und präsent sein müssen auch online. Eben Präsens sein. Dabei hilft die Beschäftigten aufzuklären z.B. wie Gewerkschaft funktioniert und schließlich ein modernes Auftreten. Kurzum je mehr ver.di im Betrieb spürbar und in den Köpfen der Beschäftigten verankert ist, desto einfacher ist es auch die Beschäftigten persönlich z.B. im Home-Office anzurufen und Nichtmitglieder zu fragen, ob sie dazu gehören wollen.
     

    Arbeitsgruppe 3: Aktivierung

    Moderation: Michael Haering (BeG Vodafone NRW) & Michael Regel (DTAG/TD Zentrale, zentrale Betriebe Bonn)

    Die Arbeitsgruppe Aktivierung beschäftigte sich mit der Frage wie können wir unsere Kolleg*innen aus dem Home – Office für betriebliche Aktionen gewinnen, für eine aktive und passive Teilnahme an der nächsten Betriebsratswahl oder auf für Protestaktionen und Streikteilnahme gewinnen.

    AG 3 - Aktivierung ver.di FB 9 NRW AG 3

    Gewerkschaftliche Aktionen dürfen auch Spaß machen, so die Erkenntnis der Arbeitsgruppe. Auch ist es vor Ort wichtig eigene Themen, die nicht von Arbeitgeber oder Gewerkschaft sind, in den Mittelpunkt zu stellen. Hilfreich sind E-Mai-, SMS-, …Verteiler für eine zielgruppengerechte Kommunikation z.B. beim Streik. Auch ist es wichtig auf Kritik und Bedenken von Beschäftigten einzugehen. So sollte man „Nörglern“ eine aktive Rolle bei der Vorbereitung von Aktionen anbieten und den Kolleg*innen, die glauben, dass auch ohne ihren Beitrag die nächste Gehaltserhöhung automatisch kommt, vor Augen führen, was ist wenn alle so denken würden wie sie. Kolleg*innen die Angst haben, aufzufallen denen muss man die Angst nehmen. Hier können gewerkschaftlich oder sozialengagierte Beschäftigte aus dem Management gute Vorbilder sein.

    Sinnvoll ist es deutlich zu machen, was war als es noch keine Gewerkschaftsbewegung gab, die Erfolge der Gewerkschaften aufzuzeigen und zu mutmaßen was wohl wäre, wenn es heute keine Gewerkschaften geben würde.  Hier können Werbespots der Gewerkschaften hilfreich sein. Auch wünschen sich die Arbeitsgruppe mehr Online Aktionen und weist darauf hin, dass digitale Informationen nicht die eingescannte Kopie von Flyern in Papierform ist. Aus Sicht der Beschäftigten sei der Mehrwert digitaler Medien bei ver.di noch nicht gegeben. In Social-Media-Kanälen stecken Chancen und Risiken (Datenschutz, IP Themen …).

    Das Fazit der Arbeitsgruppe in unserer Online Präsenz müssen wir besser werden, aber nichts geht über das gute persönliche Gespräch. Es kann auch heute noch sinnvoll sein ganz „old school“ über Begrüßungsmappen … Kolleg*innen anzusprechen
     

    Arbeitsgruppe 4: Neue Arbeitswelten

    Moderation: Jan Öhlmann (BeG DTAG/TD Zentrale, zentrale Betriebe Bonn)

    Die Voraussetzungen für Home – Office sind bei den Beschäftigten sehr unterschiedlich so die Erfahrungen der Arbeitsgruppenmitglieder. Arbeit und Freizeit sind jetzt räumlich nicht mehr so getrennt und es droht eine Entgrenzung der Arbeitszeit. Auch müssen die gesundheitlichen Gefahren mehr in den Vordergrund gerückt werden. Durch Home-Office ist die Intensivität und damit auch der Stress gestiegen. Insgesamt ist es wichtig und wünschenswert, dass ver.di das Thema weiter treibt. Verbesserungsbedarf sieht die Arbeitsgruppe in klaren Regelungen.

    AG 4 - Neue Arbetstwelten ver.di FB 9 NRW AG 4

    Es bedarf Vereinbarungen über ein umfassendes Nutzungsrecht aller arbeitgeberseitigen Kommunikationskanäle und der Einrichtung eines „digitalen Flurfunks“, um das Zugangsrecht der Gewerkschaft zu allen Mitarbeiter*innen sicher zu stellen. Nur so können wir auch in Zeiten von Home-Office und mobiler Arbeit auch Nichtmitglieder in ihrer häuslichen Umgebung erreichen. Die Arbeitsgruppe schlägt weiter vor z.B. Team–Sitzungen auch für ver.di Themen zu nutzen und virtuelle ver.di Mittagspausen einzuführen.  Auch wäre ein Erfahrungsaustausch über virtuelle Betriebsversammlungen … sinnvoll. Die persönliche Ansprache im Home-Office wurde auch hier diskutiert. Erfreuliche die Feststellung: „Kolleg*innen im HO anzusprechen und sich über ver.di zu unterhalten gelingt“. Wichtig ist immer ein offenes Ohr für die Kolleg*innen zu haben, authentisch zu sein und Gewerkschaft vorzuleben!
     

    Zum Ende der Veranstaltung richteten die Moderatoren, die sehr professionell durch den Tag geführt hatten, noch mal den Blick auf die mitgebrachten Themen der Teilnehmer*innen. Vieles konnte im Rahmen des Vortrages von Florian Haggenmiller und in den Arbeitsgruppen angesprochen, diskutiert und beantwortet werden. Leider reichte die Zeit auf der Konferenz nicht aus, um auf alle mitgebrachten Themen einzugehen. Insbesondere Fragen zu der anstehenden Fachbereichsfusion A. Zu diesem Thema werden aber in Kürze eigene Veranstaltungen angeboten an denen sich die Vertrauensleute beteiligen können. So sind alle ehrenamtlichen Funktionäre in NRW am 05.05. zu einer Veranstaltung des Gründungsvorstandes FB A NRW eingeladen, um sich über den Stand der Entwicklung zu informieren.

    Ein spannender und ereignisreicher Tag mit den Vertrauensleuten aus den Bezirksfachbereichen Aachen – Düren – Erft und Köln – Bonn Leverkusen geht zu Ende. Michael Regel und Benny Jessat verabschiedeten die Teilnehmer*innen nicht ohne sich vorher bei allen die zum erfolgreichen Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben zu bedanken und über T-Vote die Möglichkeit der Teilnehmer*innenkritik zu eröffnen.

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